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Versorgungsnetz Gesundheit e.V.

Aktuelles

Von verlorenen Erinnerungen7. Januar 2017

Eine Szene hat sich Walter Szczesny für alle Zeit eingebrannt: Er steht etwas verloren auf dem Flughafen Dubai. Auf dem Weg nach Neuseeland sind seine Frau Barbara und er dort zwischengelandet. Drei Monate wollen sie raus aus dem Alltag, dem Stress und Problemen bei der Arbeit. Plötzlich sieht der Oldenburger seine Frau nicht mehr. Er blickt sich um, beginnt zu suchen. Doch auf einem der größten Airports der Welt, eine einzelne Person ausfindig zu machen, ist unmöglich. Ans Telefon geht sie auch nicht. Szczesny wird nervös. Der Anschlussflug wartet nicht. Sieben Stunden vergehen. Dann, kurz vor dem Abflug, taucht die Verschwundene plötzlich wieder auf - und versteht die Aufregung ihres Mannes nicht. "Wir können doch jetzt ins Flugzeug steigen", sagt sie entspannt. In diesem Moment im November 2012 wird Walter Szczesny bewusst: "Das ist mehr als eine Überlastung. Meine Frau ist krank." Zurück in Deutschland beginnt die Suche nach der richtigen Diagnose. Ein Jahr früher war noch eine psychische Belastung bei der zuvor beurlaubten Lehrerin vermutet worden. Darum die Idee von Auszeit in Neuseeland. Nun steht plötzlich eine seltene Art der Demenz im Raum und im Jahr 2013 gibt es die Gewissheit: Frontotemporale Demenz *(FTD). Eine Therapie gibt es nicht. "FTD beginnt im Gedächtnis. Sie ist quasi das Endstadium der Altersdemenz", weiß Szczesny sehr bald. Wie damit umgehen? Antworten kann ihm zunächst niemand geben. "Man steht ziemlich alleine da." "Das Beispiel zeigt, dass Angehörige von Patienten mit Demenzerkrankungen mit vielen Problemen konfrontiert sind, etwa einen Mangel an Informations- und Hilfsangeboten", erklärt Rita Wick, Sprecherin des DemenzNetz Oldenburg. Körperliche Pflege ist etwa bei Barbara Brinkmann-Szczesny nicht notwendig: physisch ist die 64-Jährige weiterhin fit. Aber ihr Gedächtnis reicht nur noch für rund fünf Minuten. Deshalb muss rund um die Uhr jemand unmittelbarer Nähe sein. "Für eine Tagesstätte ist sie zu aktiv", sagt ihr Mann. "Sie braucht eine Eins-zu-eins-Betreuung." Dabei kommt ihm seine Selbstständigkeit entgegen: Der Maschinenbau-Ingenieur arbeitet als Energieberater viel von daheim, Aufträge von außerhalb muss er allerdings inzwischen an Kollegen abtreten, da er seine Frau nicht so lange allein lassen möchte. Zusätzlich kümmern sich Betreuerinnen , die Walter Szczesny, selber bezahlen muss, rund 15 Stunden pro Woche um die Erkrankte. Gemeinsam spiele und malen oder gehen spazieren. Außerdem helfen Sportübungen, Barbara Szczesny Koordinationsfähigkeiten weiter zu erhalten. Er habe ein paar Jahre gedauert, bis er das alles auf die Reihe bekommen habe, räumt Walter Szczesny ein. Er hätte sich gewünscht, dass es eine Informations- und Koordinierungsstelle gibt. In diesen Wochen beraten Lokalpolitiker über die Finanzierung und Einrichtung einer solchen Koordinierungsstelle. Die Entscheidung soll voraussichtlich im Februar fallen. Für Walter Szczesny kommt sie zwar zu spät, doch der 56-Jährige hat sich mit der Situation arrangiert. "Die Betreuung meiner Frau steht für mich an erster Stelle", betont er. Um das sicherzustellen, darf ihm gesundheitlich allerdings nichts passieren. Sport und der Beruf sorgen für Ausgleich. Mit Plänen hält er sich heute eher zurück - Urlaubsreisen nach Neuseeland gehören nicht mehr dazu. "Das Leben mit der Demenz ist ein Leben im Hier und Jetzt, weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft". *Fronttemporale Demenz (FTD) Im Stirn- und Schläfenbereich (Front-Temporal-Lappen) beginnt der Abbau der Nervenzellen. Durch die FTD verändert sich das Verhalten (Aggressivität, auch Teilnahmslosigkeit). Sprachstörungen können bis zum Verstummen führen. Das Gedächtnis wird im Verlauf der Krankheit stark beeinträchtigt. Heilende Behandlungsmöglichkeiten gibt es derzeit nicht, nur Milderung durch Medikamente.

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