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Versorgungsnetz Gesundheit e.V.

Aktuelles

Rückblick auf eine besondere Veranstaltung2. Juni 2017

Auf Augenhöhe mit Demenzkranken

Mit uns, nicht über uns

Auf Einladung des DemenzNetzes Oldenburg waren Helga Rohra, selbst an Demenz erkrankt und Georg Dr. Franken, Mitarbeiter im Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) der Universitätsklinik Witten/Herdecke zu Gast in Oldenburg. Beide plädierten dafür, Menschen mit Demenz selbst zu Wort kommen zu lassen, sie anzuhören und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Sie fordern, Menschen mit Demenz so lange einzubeziehen, solange es möglich ist.

Diese Forderung greift das DemenzNetz Oldenburg auf. Wer Interesse hat, sowohl Betroffene als auch Angehörige,  das Demenznetz Oldenburg zu unterstützen, meldet sich bitte bei Renate Gerdes 0441/25122 oder unter renate.gerdes@versorgungsnetz-gesundheit.de

Vortrag: Was heißt Inklusion und Teilhabe bei Menschen mit Demenz?

Stellt der Anspruch, Demenz als etwas Alltägliches zu erleben, eine gesellschaftliche Überforderung dar? Kann es überhaupt so etwas wie Inklusion geben? Diese und andere Fragen warf der Pflegewissenschaftler Georg Franken vom Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) der Universitätsklinik Witten/Herdecke bei seinem Vortrag am 11.05.17 „Was heißt Inklusion und Teilhabe bei Menschen mit Demenz“ beim DemenzNetz Oldenburg auf. Die Begriffe Teilhabe und Inklusion sind in aller Munde. Handelt es sich dabei um einen neuen Blickwinkel, vielleicht sogar einen Paradigmenwechsel oder sind es bloße Modeworte, fragte er.

Die Forderung nach mehr Inklusion dürfe nicht zur Ideologie geraten, warnte Franken.  „Denn wer ist an sich gegen Inklusion“,  gab er zu bedenken. Fakt sei, dass die meisten Menschen wenig über das Krankheitsbild Demenz wüssten und möglichst nichts damit zu tun haben wollten. Dabei ist es unverzichtbar, über dieses Thema viel mehr zu sprechen, es öffentlich zu machen und die Gesellschaft dafür zu sensibilisieren, weil die Zahl der an Demenz Erkrankten kontinuierlich steigt und keineswegs nur Ältere betroffen sind.

Doch der Erkrankung haftet etwas Unheimliches an, das bei Außenstehenden häufig Hilflosigkeit und Angst auslöst. Vermutlich  spielt die nicht gerade rühmliche Behandlung von geistig Behinderten und psychisch Kranken  bis weit hinein in die 1970er Jahre eine Rolle. Die Gesellschaft hat nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs trotz der NS-Verbrechen an Menschen mit geistigen Behinderungen und psychischen Störungen keine ausreichenden  Konsequenzen gezogen. „Die Betroffenen wurden weiterhin verwahrt und isoliert und landeten in Sondereinrichtungen“, erinnert Franken. So wie auch andere Personengruppen bis vor noch gar nicht langer Zeit in entsprechende Einrichtungen exkludiert wurden. Denken wir nur an schwache Schüler, die in die Sonderschule kamen. „Andere Länder reagierten da anders“, machte Franken deutlich,  der neben seiner wissenschaftlichen Arbeit weiter in der Pflege tätig ist und ständig mit Demenzkranken zu tun hat.

Er plädierte dafür, die Menschen mit Demenz selbst zu Wort kommen zu lassen, sie anzuhören und auf ihre Bedürfnisse einzugehen, anstatt Pflegenden die volle Verantwortung zu übertragen. Fakt ist jedoch, dass Demenz eine fortschreitende Krankheit ist, die eines Tages dazu führen kann, dass Betroffene keine eigenen Entscheidungen mehr treffen können. Genau darin besteht das Dilemma, wenn von Inklusion und Teilhabe bei Dementen die Rede ist.  Doch bevor es so weit kommt, gibt es laut Franken viele Möglichkeiten, Demente zu integrieren und teilhaben zu lassen.

Warum, so fragte er, gehen Demente nicht in Museen, in Sportvereine oder woanders hin? Diese Frage zu untersuchen und Lösungen zu entwickeln, wäre ein Weg, sagte er und verweiste auf skandinavische Länder, wo das „Normalisierungsprinzip“ gilt. Das bedeutet, Integration in die Gemeinden, weil die Bürger die Verantwortung übernehmen. Jeder achtet auf seinen Nachbarn, geht auf ihn zu und kümmert sich bei Bedarf. „Das verändert die Gemeinschaft vor Ort“, sagte Franken und könnte zudem dazu beitragen, dass sich Netzwerke bilden, die auch bei uns dringend benötigt werden, damit viele Menschen mit Demenz möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden bleiben können, was die meisten sich wünschen, und ihre Angehörigen entlastet werden.

Er riet zur Gründung von Selbsthilfegruppen, um sowohl die Dementen als auch die Angehörigen in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken, und empfahl die „Demenzfreundliche Kommune“ (siehe Kasten). Dahinter verbirgt sich eine große soziale und humanitäre Herausforderung und eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es geht dabei vor allem um partnerschaftliches Engagement, also Teilung von Verantwortung zwischen Bürgern, Freiwilligen, Hauptamtlichen, Kommunen und letztlich dem Staat. So könnten Menschen mit Demenz mit ihrer Ressourcen und Fähigkeiten in das öffentliche Leben einbezogen werden. Beispiele dafür gibt es unter www.Aktion-Demenz.de.

Diese Deinstitutionalisierung könnte Menschen mit Demenz zur Teilhabe befähigen und würde hohen Ethikansprüchen gerecht. „Teilhabe ist ein Menschenrecht“, stellte Franken klar. „Es geht also um gleiche Verwirklichungschancen und eben nicht um gleiche Lebensentwürfe“, machte er deutlich. „Wir müssen Strukturen schaffen, in denen jeder als zugehörig betrachtet wird.“ Und schließlich machte er darauf aufmerksam, dass nicht jedes Leben mit einer Behinderung ein schlechtes Leben sei. Die Lebensqualität hänge immer von den Umständen ab und oft würden Betroffene von den anderen behindert, eben sozial ausgegrenzt. Das sei ein sichtbares Zeichen dafür, dass Menschenwürde nicht funktioniere.

Das DZD ist am Department für Pflegewissenschaft der Fakultät für Gesundheit an der Universität Witten/Herdecke verankert. Grundlegend für seine Arbeit ist die Erkenntnis, dass relevante wissenschaftliche Ergebnisse zur Versorgung Demenzerkrankter meist in der Praxis nicht ankommen. Das DZD entwickelt Transferkonzepte und wendet sie an, um die Lücke zwischen Forschung und Praxis zu verkleinern.

Aktion Demenz ist eine deutschlandweite bürgerschaftliche Initiative, die sich als Netzwerk versteht. Unser Ziel ist es, Mitbürgerinnen und Mitbürger dafür zu gewinnen, sich für Wohlergehen und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Demenz und ihrer Begleiter zu engagieren. In Kooperation mit anderen Initiativen und Organisationen will Aktion Demenz vor allem durch zivilgesellschaftliches Engagement zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen mit Demenz beitragen. Ein Kernanliegen ist dabei die Beseitigung der Stigmatisierung von Demenz. www.Aktion-Demenz.de

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